Der Marketing-Transfer: West Brom holt Zhang, Werder leiht ihn

Die Vereine wollen aus dem 20-jährigen Yuning Zhang einen Nutzen ziehen und auf dem asiatischen Markt aktiv werden.

Der Marketing-Transfer: West Brom holt Zhang, Werder leiht ihn
Yuning Zhang: Ein Spieler für die Zukunft - oder doch nur für das Marketing? (Quelle: Getty Images)

"Nach sehr konstruktiven Gesprächen mit West Bromwich haben wir für alle Beteiligten eine sehr sinnvolle Lösung gefunden. Wir freuen uns, dass sich die Möglichkeit ergeben hat, Yuning Zhang auszuleihen. Er ist ein junger, talentierter Spieler, der bereits erste Erfahrungen im europäischen Fußball gesammelt hat und sich bewusst dafür entschieden hat, seine sportliche Entwicklung im Ausland voranzutreiben. Diesen Weg möchten wir mit ihm nun fortsetzen." Das sagte Werder Bremens Manager Frank Baumann über die Verpflichtung von Yuning Zhang.

Der junge Chinese ist bisher vermutlich nur Experten bekannt. Im Sommer 2015 wechselte er aus China nach Europa in die Jugend von Vitesse Arnheim (Niederlande). Nach einem halben Jahr feierte der Angreifer sein vierminütiges Debüt gegen den SC Heerenveen und erzielte einen Monat später im Spiel gegen Roda Kerkrade in der Schlussphase den 2:1-Siegtreffer. Damit war er immerhin der erste chinesische Torschütze in der niederländischen Eredivisie. Zwei weitere Tore gelangen ihm noch in seiner Zeit in Arnheim. Nun verpflichtete ihn der englische Erstligist West Bromwich Albion - und verleiht ihn direkt für zwei Jahre in die Bundesliga nach Bremen. Ohne Kaufoption. Einen unbekannten 20-Jährigen, der die Sprache und das Land nicht kennt. Das ergibt auf den ersten Eindruck für die Grün-Weißen wenig Sinn. Doch man hat sich etwas dabei gedacht: Eine Offensive auf dem asiatischen Markt.

Nur kurz nach der offiziellen Bestätigung von der Verpflichtung Zhangs haben die Bremer einen neuen Co-Sponsor vorgestellt. Der asiatische Online-Gaming-Anbieter „HEJI18“ wird sich ab dieser Saison mit mehreren Werbeflächen im Weser-Stadion präsentieren. Kean Wong - „HEJI18“-Repräsentant - wird auf der Vereinshomepage zitiert: "Wir fühlen uns geehrt, die Partnerschaft mit Werder Bremen eingehen zu können. Die Deutsche Bundesliga ist eine der drei großen Europäischen Fußballligen mit starkem Einfluss in Asien. Somit ist sie die geeignete Marketingplattform, unsere Marke zu bewerben. Wir sind begeistert von der traditionsreichen Geschichte Werder Bremens und auch vom sportlichen Erfolg in den langen Jahren seiner Geschichte. Wir freuen uns darauf, als Partner künftig an diesem Erfolg teilzuhaben. Zudem ist Werder Bremen sehr aktiv in Asien – sogar chinesische Spieler entscheiden sich, ihre Karriere bei diesem attraktiven Verein zu entwickeln."

 

 

 

 

Zhang ist bisher der einzige Chinese, den die Bremer in ihrer Vereinshistorie verpflichtet haben. Wie erfolgreich er in Deutschland sein wird, bleibt abzuwarten. Eine rosige Zukunft kann man ihm nur bedingt versprechen. Der letzte Chinese in der Bundesliga war Zhang Xizhe. Der VfL Wolfsburg verpflichtete den offensiven Mittelfeldspieler im Winter 2015 für 1,5 Millionen Euro, veröffentlichte am gleichen Tag seine Webseite auch auf Chinesisch. Dieter Hecking, damaliger Wölfe-Trainer scherzte auf die Behauptungen, der Transfer habe vor allem marketingtechnische Gründe, nur: "Ich bin froh, dass unser 'Marketing-Einkauf' so gut spielt." Nur ein halbes Jahr später verließ Xizhe die Wölfe wieder. Er saß dreimal auf der Bank, spielte nie.

Spätestens dann wurde klar: Der Verein hatte nur im Kopf, auf dem chinesischen Markt aktiv zu werden. Heute hat der Klub sogar ein Büro in Peking und schließt häufiger Kooperationen mit chinesischen Unternehmen ab. Aus Sicht der Vereine ist diese Art von Transfers zweifelsohne vorteilhaft. Man holt sich zu günstigen Konditionen einen jungen Spieler, der potenziell ein guter Spieler werden kann. Zudem gewinnt man im asiatischen Raum Fans, Zuschauer und Kunden und lockt Sponsoren an, die in Deutschland Werbung für sich machen und auch von solchen Transfers profitieren. Aus Sicht des Spielers sieht das jedoch anders aus. Mit der Hoffnung nach Europa zu wechseln, um seinen Traum vom Profifußball (auf hohem Niveau) zu erfüllen - dabei seine Familie und Heimat zurücklassen. Im Vergleich zu den Nachwuchsspielern in den Akademien und Nachwuchsleistungszentren der Profivereine fehlt den Asiaten aber die professionelle Ausbildung von talentierten Spielern. In Europa angekommen, merken sie und auch die Vereine, dass es von der Qualität her nicht reicht (falls ihnen das vorher nicht schon bewusst war). Die Vereine können das Risiko des Scheitern leicht umgehen, indem sie Floskeln wie „er ist noch nicht lange hier, muss sich an vieles gewöhnen und braucht mehr Zeit“ benutzen. Der Spieler sitzt aber weiter auf der Bank oder wird erst gar nicht für den Kader nominiert. Der sportliche Erfolg bleibt aus. Also wird der Spieler nur wie ein Objekt hin und hergeschoben - statt seiner sportlichen Qualitäten wird darauf geachtet, wie er den Verein finanziell und international vorantreiben kann. West Bromwich Albions Sportdirektor Richard Garlick sagte zur Zhang-Verpflichtung: "Seine Entwicklung wird man mit großem Interesse in China und Deutschland verfolgen."

In Zukunft kann man mehr mit solchen Transfers rechnen. Neben dem VfL Wolfsburg und dem SV Werder Bremen haben mehrere deutsche Vereine Verbindungen nach China oder planen welche. Borussia Mönchengladbach hat ebenfalls wie die Bremer einen Co-Sponsor, der Hilfe für die Internationalisierung stellt. Der FC Bayern München reist häufiger zu Testspielen nach Fernost - hat dort sogar eine Niederlassung in Shanghai. Auch Borussia Dortmund, der FC Schalke 04 sowie der 1. FC Köln waren bereits in China. Der Hamburger SV steht in Kooperation mit Shanghai SIPG - ein Wissensaustausch soll beide Vereine sportlich weiterentwickeln. "China ist auf dem Weg, den Fußball professionell zu entwickeln, dies birgt auch für die Bundesliga und den HSV ein enormes Potenzial", erklärte der ehemalige HSV-Marketingvorstand Joachim Hilke. Hertha BSC Berlin und RB Leipzig planen ebenfalls, auf dem chinesischen Markt aktiv zu werden. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat mit der chinesischen „Suning Comerce Group“ einen Millionen-Vertrag für Auslandsvermarktung abgeschlossen - die Bundesliga-Vereine ziehen daraus finanziell einen Vorteil. Die Bundesliga ist bisher die einzige europäische Top-Liga mit einer eigenen Website für China. Nun soll noch die chinesische U20-Auswahl in der Regionalliga antreten. Gerade das stieß bei einigen Vereinen auf Unverständnis. Die Kommerzialisierung wird kritisiert.