Dynamo Dresden gegen RB Leipzig: Bitte lasst es ein friedliches Spiel werden!

Ein Kommentar zum heutigen Pokalspiel zwischen Dynamo Dresden und RB Leipzig.

Bevor man diesen Artikel liest, sollte man folgendes über mich wissen: Ich bin 16 Jahre alt, wohne in Sachsen und teile mit vielen Millionen anderen Menschen die große emotionale Verbundenheit zum Fußball. Seit 2008 bin ich leidenschaftlicher Fan von der SG Dynamo Dresden.

Letzterer Verein trifft heute Abend auf den Club, der die Fußballwelt in Deuschland gespaltet hat. Die Rede ist von RasenBallsport Leipzig. Kaum ein anderer Verein schafft es, so viel Hass auf sich zu ziehen, nur, weil durch das Engagement von Unternehmer Dietrich Mateschitz in Leipzig Mittel zur Verfügung stehen, von denen andere Vereine im deutschen Profifußball nur träumen können. Ich gebe zu, dass man diesen Verein und das, was dort passiert, nicht gut finden muss. Ich verstehe den Neid über die Millionenbeträge, die RB Leipzig investieren kann und der eigene Lieblingsverein vielleicht nicht. Doch wo Beleidigungen und Gewalt beginnen, hört mein Verständnis für Antpathisanten des "Brauseclubs", wie der Verein aufgrund des wirtschaftlich starken Sponsors verpönt bezeichnet wird, auf. Leider befürchte ich solche Szenarien auch heute Abend, wo RasenBallsport beim Pokalspiel in Dresden antreten muss.

Es ist bekannt, dass große Teile der Fanszene von der SGD eine besonders große Abneigung  gegenüber dem heutigen Gegner haben und umgekehrt. Ich, als Fan von Elbfolenz, diszanziere mich jedoch von jeglichen Pöbeleien gegen die Anhänger des anderen Vereins. Ein wahrer Fan ist für mich nicht der, der Provokationen gegen den Gegner unterstützt. Aus meiner Sicht sollte sich ein wahrer Fan darauf konzentrieren, den eigenen Verein zu unterstützen, ihn zu lieben, sich mit ihm zu identifizieren. Und ich halte es für absurd, allen Leipziger Anhängern vorzuwerfen, dies nicht zu können, weil der erst 2009 gegründete Verein angeblich keine Tradition besitzen würde. Schon in der der einzigen Drittligassion der kurzen Vereinsgeschichte (2013/2014) hatten die roten Bullen den höchsten Zuschauerschnitt der Liga. Im Durchschnitt kamen über 16.000 Zuschauer pro Spiel. Alles nur Eventfans? Wohl kaum.

Ich möchte dazu eine Geschichte aus meimem Privaten erzählen: Ich erinnere mich noch an mein erstes Spiel von Dynamo Dresden. Es war November 2010. Im damals neuen Rudolf-Harbig-Stadion trennte sich die Heimmannschaft in einem gewöhnlichen Drittligaspiel mit 1:1 gegen die U23 von Werder Bremen. Waren damals auch schon so viele Zuschauer wie heute im  Stadion, wo das Kartenkontingent bei nahezu jedem Spiel ausgelastet ist? Nein. Die Zuschauerzahl damals: 12.054. Dynamo Dresden stieg wenig später in die 2. Bundesliga auf - und die Anzahl der Zuschauer, die ihren Lieblingsverein wieder im Profifußball sehen und im Stadion dabei sein wollten, stieg rasant an. Haben sich die, die damals dazu gekommen sind, wohl gedacht: Hey, das ist ein Traditionsverein, auf zum Stadion! Bestimmt nicht. Die Gegner wurden attraktiver, es war der Fußball, der die Menschen mitzog. Die großartige Stimmung im Stadion haut die Leute von den Socken, wie man bei der tollen Atmosphäre, die bis heute im Stadion vorherrscht, getrost sagen kann. Man hat das Gefühl, der "12. Mann" zu sein, der seinen Teil zum Sieg beiträgt, auf den es bei jedem Spiel ankommt, wie es auch in der Hymne des 1953 gegründeten Vereins steht. Sollte es also den Menschen in Leipzig anders ergangen sein? Nein. Ich glaube, dass sie genauso geil darauf sind, nach jahrelangem viertklassigen Fußball der anderen Leipziger Vereine, endlich wieder Profifußball in ihrer Stadt zu sehen. Vor 10 Jahren noch wurde Leipzig vorgewurfen, dass es eine so große und schöne Stadt nicht auf die Reihe bekommt, einen Verein im Profifußball zu etablieren. Jetzt wird ihnen von vielen Seiten vorgwurfen, dass sie es - natürlich mit nicht unbeachtlicher finanzieller Unterstützung - geschafft haben. Aber das, was RB Leipzig geschafft hat, haben sie sich nicht erkauft. Es ist das Produkt guter und konsequenter und letztendlich auch erfolgreicher Arbeit, dass sie in die 1. Bundesliga geführt hat. Jeder deutsche Verein versucht doch gute Arbeit zu leisten - auch Dynamo Dresden. Und auch hinter diesem Verein stecken Fans, die ihren Verein wieder dort sehen wollen, wohin es die Leipziger geschafft haben - nach ganz oben.

Deswegen mein Appell: Fans von Dynamo Dresden und Fans von RB Leipzig, unterstützt euren Verein heute Abend und akzeptiert und respektiert die Fans des anderen Lagers. Gewalt und Pöbeleien helfen euren Teams nicht, das Spiel zu gewinnen. Lasst es bitte einen weitgehend friedlichen Abend werden, der nicht darin endet, dass manche Verletzungen davon tragen, nur weil sie einen Verein unterstützen, zu dem der gegenüber eher weniger Sympathien hat. Letztendlich wollen doch alle nur eins sehen: Den geilsten Sport der Welt. Fußball.